Neues von den Schleiereulen in Böbingen

Schwierige Brutsaison und Rettung in letzter Sekunde

November 2022 – Im Böbinger Schleiereulenkasten, der letztes Jahr zum ersten Mal als Brutplatz angenommen wurde, gab es in diesem Sommer einige Hochs und Tiefs. Über das Schicksal der jungen Eulen möchten wir gerne berichten, um zu zeigen, wie schwierig es für die Vögel sein kann, sich erfolgreich zu vermehren.

 

Ende Juni haben wir den Nistkasten in einer privaten Scheune das erste Mal kontrolliert, da in der diesjährigen Saison noch keine Brut feststellbar war. Wir fanden nur eine Feder und eine tote Maus vor und ließen den Kasten erst einmal vier Wochen in Ruhe, um die Eulen nicht mehr zu stören. An dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen, dass Nistplätze von Vögeln gar nicht oder so wenig wie möglich gestört werden dürfen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Vögel die Brut aufgeben und den Nistplatz nicht mehr annehmen. In unserem Fall werden die Kontrollen von erfahrenen Naturschützern vorgenommen, die größtmögliche Vorsicht walten lassen.
Die nächste Kontrolle fand dann am 29. Juli statt. Unsere Freude war groß, als wir im Nistkasten drei Eier und ein winziges geschlüpftes Küken vorfanden. Vier Eier sind für Schleiereulen nicht viel. Sie können bis zu 10 Eier legen. Aber auch aus den anderen drei Eiern schlüpften im Laufe der nächsten Tage Küken. Und so schauten uns am 20. August drei muntere kleine Eulen und eine sehr zarte Mini-Eule entgegen. Doch leider war das Kleinste zu schwach und hat nicht überlebt. Am 5. September waren nur noch drei Eulen im Kasten. Diese wirkten sehr sauber und gepflegt, was ein Zeichen dafür ist, dass sie gut versorgt werden. Wir waren beruhigt und hatten große Hoffnungen, dass diese drei Jungeulen durchkommen würden. Am 27. September dann der Schock: Im Nistkasten waren nur noch eine lebende aber völlig unterversorgte Jungeule und ein totes Küken. Etwas musste passiert sein, weshalb die Vögel nicht mehr gefüttert wurden. Was also tun? Schnelles Handeln war gefragt. Die einzige Chance war aktive Hilfe. Also brachten wir die letzte verbliebene, stark abgemagerte Jungeule zu Mike in die Greifvogelstation nach Haßloch. Zum Glück rechtzeitig. Hier wird sie nun aufgepäppelt und kann sie sich weiter entwickeln. In der Zwischenzeit geht es ihr wieder gut. Sie wird überleben und kann irgendwann ausgewildert werden.

Gerettet: Die überlebende Jungeule ist in der Greifvogelstation in Haßloch angekommen. Nun wird sie von Maik Heublein versorgt und kann sich wieder erholen. Wir wünschen ihr gute Besserung!
Gerettet: Die überlebende Jungeule ist in der Greifvogelstation in Haßloch angekommen. Nun wird sie von Maik Heublein versorgt und kann sich wieder erholen. Wir wünschen ihr gute Besserung!


Jungvogel gefunden - Was tun?

Sollten Sie einen Jungvogel finden, überprüfen Sie zunächst, ob er wirklich Hilfe benötigt! Bei vielen Vogelarten können die Jungvögel noch nicht richtig fliegen, wenn sie das Nest verlassen. Sie sind schon voll befiedert, hüpfen auf dem Boden umher und betteln nach Futter. Es handelt sich um sogenannte Ästlinge. Das ist ein ganz normales Entwicklungsstadium, ein Eingreifen ist nicht erforderlich. Die Vogeleltern stehen mit dem Jungvogel in Rufkontakt, versorgen ihn mit Futter und führen ihn weiter, bis er selbständig geworden ist. Wenn der Vogel jetzt aus der Natur entnommen wird, verursacht das mehr Schaden als Hilfe.

 

Anders sieht es bei einem ganz kleinen unbefiederten, nur schwach befiederten Nestling oder einem verletzten Vogel aus. Ist das Küken unverletzt, kann es wieder ins Nest gesetzt werden. Anders als bei Säugetieren stört der menschliche Geruch die Vogeleltern nicht. Ist kein Nest in Sicht oder der Vogel verletzt, benötigt er unsere Hilfe. Dann sollte er aufrecht in einen mit einem Handtuch ausgepolsterten Karton gesetzt und zu einer erfahrenen Pflegestelle gebracht werden. Bitte kein Wasser und keine Nahrung einflößen! Der Vogel kann daran ersticken. Wenn es sich um  einen Greifvogel oder um eine Eule handelt, rufen Sie bitte die NABU-Greifvogelstation in Haßloch an: 0171-2858257. Bei allen anderen Wildvögeln melden Sie sich bei der Wildvogelrettung Bad Dürkheim, unter 0176-31520222. Weitere Infos finden sie unter www.wildvogelhilfe.org


Die Kröte aus der Kanne

Überraschungsfund in Böbingen

Oktober 2022 - Als eine unserer NABU-Aktiven zufällig einen Blick in ihre dekorative Emaille-Kanne in ihrem Garten warf, traute sie ihren Augen nicht. Am Boden in der Kanne saß eine Kröte. Und es war nicht etwa irgendeine Kröte, sondern eine seltene Wechselkröte. Mit ihrem grünen Fleckenmuster ist sie einfach unverwechselbar. Wie und warum die Kröte in die Kanne gelangt war, werden wir wohl nie erfahren. Möglicherweise hat sich die Wechselkröte, die ja als Pionierart recht wanderfreudig ist, auf der Suche nach einem neuen Lebensraum schlichtweg "verhüpft". Oder sie suchte in der flachen Regenwasserpfütze, dass sich in der Kanne angesammelt hatte, eine Abkühlung. Wer weiß, wie lange sie schon da drin saß? Es ist fraglich, ob sie alleine wieder herausgekommen wäre. Jedenfalls schien das Tier keinen Schaden davon getragen zu haben. In der Zwischenzeit wurde sie an einen sicheren Platz in der näheren Umgebung gebracht, wo sie hoffentlich ein geeignetes Winterquartier findet.



Das Braunkehlchen ist an die Spitze geflattert

Deutschland hat einen neuen Vogel des Jahres

Nun steht es fest! Der Vogel des Jahres 2023 ist das Braunkehlchen. Der stark gefährdete Wiesenvogel hat bei der dritten öffentlichen Vogelwahl mit Abstand die meisten Stimmen erhalten. Fast 135.000 Menschen haben sich an der Wahl beteiligt. 43,5 % aller Stimmen entfielen auf das Braunkehlchen. Sein Lebensraum sind feuchte Wiesen, Brachen und Feldränder. Wichtig für das Braunkehlchen sind einzelne Büsche, hohe Stauden oder Zaunpfähle, welche der Vogel als Sing- und Ansitzwarte nutzt. Dem Braunkehlchen wird der Titel „Vogel des Jahres“ in Abwesenheit verliehen – es ist Langstreckenzieher und bereits im September nach Süden aufgebrochen. Der kleine Singvogel verbringt den Winter mehr als 5.000 Kilometer von Deutschland entfernt südlich der Sahara. Im April kommt es wieder zu uns zurück. Wie viele andere Zugvögel auch fliegen Braunkehlchen nachts. Tagsüber suchen sie nach Nahrung oder ruhen sich aus. Bei uns angekommen, suchen sie blütenreiche Wiesen und Brachen, um hier in Bodennestern zu brüten. Diese verschwinden allerdings zunehmend, weshalb der Bestand des Braunkehlchens seit Jahrzehnten zurückgeht. Helfen kann man dem Braunkehlchen, indem man beim Einkauf auf regionale und ökologisch produzierte Lebensmittel zurückgreift.


Tagfalter-Vielfalt

Schmetterlinge auf artenreichen Wiesen

Auf den Wiesen im Bereich der Modenbachniederung findet sich eine große Vielfalt an Schmetterlingen. Bei einer Begehung im Juni 2022 konnten wir u.a. Tagpfauenaugen, Große Ochsenaugen, Landkärtchen, Kaisermäntel Schachbrettfalter und Kleine Perlmutterfalter beobachten.

Foto links: Schachbrettfalter, Foto rechts: Kleiner Perlmutterfalter

Copyright Bilder: Carmen Schauroth


Filzen in der Wollwerkstatt

Tolle Kunstwerke: Schaf, Palme und Schmetterling

Mai 2022 - Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich die Teilnehmenden der diesjährigen Wollwerkstatt in St. Martin. Gundula Berner und Heike Gonschior von der NABU-Gruppe Edenkoben/Maikammer hatten in einem Hinterhof im Schatten Bierbänke für das gemeinsame Filzen aufgebaut. Dieses Mal stand Trockenfilzen auf dem Programm. Dafür suchten sich die Teilnehmenden ein Ausstechförmchen aus, das auf einen Spülschwamm gelegt und mit Wolle befüllt wurde. Die Wolle, stammt von Schafen, die in der Region in der Landschaftspflege eingesetzt werden. Mit einer Filznadel wurde die Wolle durch wiederholtes Stechen so lange verfilzt, bis eine feste Form entstand. Beim Filzen war Zeit sich über viele interessante Naturschutz-Themen auszutauschen. Schaf, Schmetterling und Palme sind nur einige der tollen Kunstwerke, die bei der Wollwerkstatt entstanden.


Upup, Hurra!

Der Wiedehopf ist Vogel des Jahres 2022

Foto: Paul Gläser
Foto: Paul Gläser

Der Wiedehopf ist einer der auffälligsten heimischen Vögel – mit seinem orangeroten Gefieder und seiner markanten Federhaube wurde der Wiedehopf auch wegen seiner spektakulären Erscheinung gewählt. Bei der zweiten öffentlichen Vogelwahl, hat er es - mit deutlichem Abstand - an die Spitze geschafft. Viele Wähler konnten sich aber sicher auch mit seinem Wahlslogan: „Gift ist keine Lösung“ identifizieren. Der Wiedehopf benötigt halboffene bis offene insektenreiche Landschaften – viele Insekten gibt es nur ohne Pestizideinsatz. Die Population des Wiedehopfes gilt in Deutschland als gefährdet, da es aufgrund fehlender Lebensräume immer noch wenige Brutpaare gibt – zurzeit sind es 800 bis 950. Doch das Verbreitungsgebiet dieses wärmeliebenden Vogels wächst, was ein klares Anzeichen des Klimawandels ist. In der Vorderpfalz kommt er als seltener Brutvogel vor und kann mit etwas Glück auch während der Zugzeit beobachtet werden. Hier gibt es weitere Infos zum Vogel des Jahres.


Filzworkshop für Grundschulkinder

Kuschelschafe basteln mit dem NABU

Oktober 2021 - Heike Gonschior von der NABU-Gruppe Edenkoben-Maikammer besuchte die 2. Klasse der Grundschule St. Martin. Zusammen mit ihrer Klassenlehrerin und Schulleiterin Frau Lubotta lernten die 11 Schüler*innen, wie man mit einem Ausstechförmchen für Plätzchen, einem Spülschwamm, sogenannten Filznadeln und Rohwolle vom Schaf ein kleines Schäfchen filzt. Im Gegenteil zum Nassfilzen, bei dem mit Hilfe von heißem Wasser und Seife die Rohwolle verfilzt wird, wird mit der Filznadel trocken gefilzt. Die Filznadel hat kleine Widerhaken, wodurch beim wiederholten Durchstechen der Rohwolle die Wollfasern miteinander verbunden werden. Da die Filznadeln sehr spitz sind, muss sehr konzentriert gefilzt werden – so dass die Kindern ihre Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und Feinmotorik übten. Zum Abschluss wurde ihnen noch eine kleine Schafgeschichte vorgelesen. Alle Kinder waren mit Eifer dabei und konnten am Ende des Projektes ein kleines Wollschaf mit nach Hause nehmen.


Erstmalige Brut in Böbinger Scheune

Nistkasten von Schleiereulen endlich angenommen

Oktober 2021 - Wo im Vorjahr im Schleiereulen-Nistkasten noch ein großes Hornissennest hing, lagen Anfang August 2021 völlig überraschend 4 Eier. Solche späten Bruten sind bei Schleiereulen keine Seltenheit, da sie in guten Mäusejahren bis zu 3 Bruten nacheinander großziehen können. In diesem Nistkasten in einer Böbinger Scheune, der seit ca. 5 Jahren dort hängt, war es die allererste Brut überhaupt.Eine vorsichtige Kontrolle Ende August zeigte, dass das Schleiereulenpaar seine Eier erfolgreich ausbrüten konnte. Die kleinen zart beflaumten Küken waren erst wenige Tage alt und kuschelten sich eng aneinander. Anfang Oktober wurden die inzwischen kräftig gewachsenen 4 Küken von Jörn Weiß beringt.


Fleißige Bienchen ganz nah

Schulausflug mit dem NABU zu Honigbienenvölkern

Am 15. Juni 2021 besuchten neun Schüler*innen der Ottersheimer Jakob-Reeb-Schule zusammen mit ihrem Klassenlehrer Christian Clasen einen Bauernhof bei Annweiler. Begleitet wurden sie von der Imkerin Heike Gonschior vom NABU Edenkoben-Maikammer. Die Jakob-Reeb-Schule ist eine anerkannte Ersatzschule mit dem Förderschwerpunkt „soziale und emotionale Entwicklung“, die ihre Schüler*innen zusätzlich zu den einzelnen Bildungsgängen erlebnispädagogisch betreut.

Der Besuch bei den Bienenvölkern wurde vorher ausführlich im Unterricht vorbereitet. Das faszinierende Leben der Honigbienen, mit all ihren spannenden Aspekten stand im Mittelpunkt des Themas und begeisterte schon in der Theorie alle Schüler*innen. Die Kinder lernten u.a. auch neue, für die Imkerei nötige Begriffe kennen, die ihren Wortschatz erweiterten. Umso aufregender war dann der Ausflug zu den Honigbienen. Dort konnten die Schüler*innen alles Gelernte wiedererkennen und erleben. Dazu gehörten die Imkerei-Werkzeuge genauso wie der Aufbau der Bienenkästen, die verschiedenen Bienenwesen, wie Arbeiterin, Drohne und Königin, als auch die unterschiedlichen Waben im Inneren des Bienenkastens.

Nach Abschluss der Arbeit am Bienenkasten stärkten sich die Schüler*innen und ihre Begleiter*in auf einem Picknickplatz im Schatten und bekamen noch Informationsmaterial vom NABU geschenkt, um das Thema in den nächsten Unterrichtsstunden weiter zu vertiefen.

Herzlichen Dank auch für die nette Kooperation mit der NABU-Gruppe Annweiler-Hauenstein.