NABU kritisiert Verschiebung der Neonikotinoid-Entscheidung auf EU-Ebene

Gefährliches Spiel auf Zeit - Insektenrückgang muss schnell gestoppt werden

Der NABU kritisiert, dass die besonders insektenschädlichen Neonikotinoide EU-weit weiterhin erlaubt sind. Vertreter der EU-Mitgliedstaaten hatten sich am gestrigen Dienstag nicht auf ein Ende der ökologisch hoch bedenklichen Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam verständigen können. Stattdessen vertagte der Ausschuss für Pestizide die Abstimmung auf Mitte März 2018.

 

„Statt das notwendige, schnelle Ende der Insektengifte einzuläuten, schiebt die Kommission die Entscheidung weiter auf die lange Bank. Das ist ein gefährliches Spiel auf Zeit. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hat sich gestern – nach seinem Glyphosat-Alleingang – erneut als Handlanger der Agrarchemie präsentiert. Dabei ist die Faktenlage klar: Neonikotinoide sind hochgradig gefährlich für Insekten, Fledermäuse und Vögel. Wie ein unsichtbarer Feind haben sie sich in der Umwelt ausgebreitet. Um das Insektensterben aufzuhalten, müssen alle Neonikotinoide schnellstmöglich verboten werden“, forderte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

 

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hatte darauf verwiesen, zunächst eine erneute  Risikobewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) abwarten zu wollen. Diese soll im Februar vorliegen. Dabei ist die Faktenlage eindeutig: Eine Fülle wissenschaftlicher Studien weist schädliche Auswirkungen auf zahlreiche Insektenarten nach. Auch das Zugverhalten von Singvogelarten wird durch die Einnahme gebeizten Saatguts massiv gestört und Fledermäuse können sich räumlich weniger gut erinnern und orientieren.

 

Die EU-Kommission hatte bereits Anfang 2017 ein Komplett-Verbot der drei Wirkstoffe vorgeschlagen – wobei deren Anwendung unter Glas weiterhin erlaubt sein sollte. Der NABU begrüßt die Verbote, fordert jedoch ein ausnahmsloses Verbot aller Neonikotinoide. Denn trotz eines seit 2013 geltenden Teilverbotes bleibt die eingesetzte Menge EU-weit hoch. Ein Grund sind die großzügig verteilten Sondergenehmigungen: Zwischen 2014 und 2016 wurden über 60 Ausnahmen bewilligt. Auch in Deutschland werden trotz des Teilverbots jährlich rund 200 Tonnen Neonikotionoide auf die Felder gebracht. Hierzulande sind neben den drei genannten Wirkstoffen auch Acetamiprid und Thiacloprid erlaubt.

 

Für Rückfragen:

Till-David Schade, NABU-Experte für Biologische Vielfalt, Tel. +49 (0) (0)30.284984-1577, Till-David.Schade@NABU.de

 


Große Studie bestätigt dramatisches Insektensterben

Jahrzehntelange Untersuchungen belegen massive Biomasseverluste in Schutzgebieten

Foto: Helge May
Foto: Helge May

Ein internationales Forscherteam aus den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland hat die dramatischen Befunde zum Insektenrückgang in Nordwestdeutschland in einer jetzt in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichten Studie bestätigt. Die Forscher stellten damit die Beobachtungen des Entomologischen Vereins Krefeld auf eine wissenschaftlich abgesicherte Basis. So ist mit den Biomasseverlusten bei Fluginsekten von 76 bis 81 Prozent  seit den 1990er Jahren ein klarer Negativ-Trend erkennbar. Insgesamt wurden  in einem Zeitraum von 27 Jahren 63 Standorte in Schutzgebieten unterschiedlichster Lebensräume des Offenlandes überwiegend in Nordwestdeutschland untersucht, wobei der Rückgang überwiegend im Flachland festgestellt wurde.

 

„Wir haben es mit einer höchst dramatischen und bedrohlichen Entwicklung zu tun.  Allein die Tatsache, dass es sich bei allen Untersuchungsflächen um verinselte Standorte innerhalb von Schutzgebieten handelt, in deren Umfeld zu mehr als 90 Prozent konventionelle Agrarnutzung stattfindet, legt einen negativen Einfluss durch die Landwirtschaft nahe“, sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die neue Bundesregierung müsse sich umgehend auf EU-Ebene für einen Kurswechsel in der Agrarpolitik einsetzen sowie einen Schwerpunkt auf Erforschung und Schutz der biologischen Vielfalt legen. Der NABU fordert ein Deutsches Zentrum für Biodiversitäts-Monitoring in Trägerschaft von Wissenseinrichtungen sowie den zügigen Aufbau eines bundesweiten Insekten-Monitorings. Als Vorbild für ein  bundesweites Insekten-Monitoring könnte  NRW dienen, wo 2017 die Beprobung von 100 Standorten angelaufen ist. 

 

Der Landesvorsitzende des NABU NRW, Josef Tumbrinck, begleitet die Arbeiten des Entomologischen Vereins Krefeld seit Jahren. Seiner Einschätzung nach finden in ganz Deutschland und wahrscheinlich auch in anderen europäischen Ländern ähnliche Entwicklungen statt: „Früher mussten wir Autoscheiben nach ein oder zwei Stunden Fahrt wieder von Insekten säubern und  an Straßenlaternen flogen massenhaft Insekten. Heute ist das meist nicht der Fall. Diese Beobachtungen wurden mir vielfach aus allen Regionen des Landes mitgeteilt.“ Langzeit-Untersuchungen aus anderen Staaten liefern Hinweise darauf, dass es sich nicht nur um ein deutsches Phänomen handelt. Auch von der EU offiziell bestätigte Bestandsrückgänge von Vögeln, die auf Insekten als Nahrungsgrundlage angewiesen sind, dürften höchstwahrscheinlich zu einem wesentlichen Teil auf den Insektenschwund zurückzuführen sein.

mehr


Praktikum beim NABU Edenkoben/Maikammer

Betriebspraktikum vom 14. - 18. August 2017

Mein Name ist Paula Heeren, ich bin 16 Jahre alt und gehe in die elfte Klasse am Gymnasium in Maxdorf. In der ersten Schulwoche nach den Ferien macht man an unserer Schule in der elften Klasse ein fünftägiges Betriebspraktikum.

 

Meine Wahl fiel dafür auf den NABU Edenkoben/Maikammer. Dort war ich in Sankt Martin bei Gundula Berner, die für die Landschaftspflege mehrerer Flächen zuständig ist.

 

Tag 1

Mein erster Tag begann mit einer allgemeinen Einführung in das Gebiet und die Arbeit beziehungsweise die Aufgaben des NABUs in der Landschaftspflege.

 

Das Ziel, für das Gundula Berner arbeitet ist das Gewinnen freier Grünflächen in Form von Wiesen. Dazu werden ungenutzte Flächen von der Gemeinde übernommen.  Auf so gewonnenen NABU-Flächen gilt es, Platz für naturnahe Wiesen zu schaffen. Dazu muss zu hohes Gras gekürzt, wuchernde Hecken wie Brombeeren zurückgeschnitten und der Wald zurückgedrängt werden.

 

Dabei hilft eine Herde Alpiner Bergschafe, die Gundula Berner aus Bayern in die Pfalz gebracht und dort mit den Tieren weitergezüchtet hat. Insgesamt besitzt sie ungefähr 100 Tiere, die in mehrere Herden aufgeteilt sind. Sie weiden auf den erwähnten Grünflächen und dienen dazu Gras und Hecken kurz zu halten.

 

Auf den entstehenden Wiesen herrscht eine hohe Artenvielfalt. Die Flächen bieten Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten.

 

Zur täglichen Arbeit zählen vor allem das Pflegen der Weide- und Grünflächen aber auch das Sorgen für die Schafe zum Beispiel in Form von einmal täglich Füttern.

 

 

Am ersten Tag bestand die Arbeit darin, eine Weide, auf der eine Schafherde von ungefähr 15 Tieren seit ungefähr sechs Wochen stand zu Ende zu bearbeiten, sodass die Tiere auf eine neue Weide kommen konnten. Dazu gehörte vor allem das Kürzen der dort wachsenden Brombeerhecken, von denen  nur so viel abgeschnitten wird, dass sie sich nicht weiter ausbreiten. Bei dieser Arbeit haben wir einen seltenen Schmetterling- den weißen Waldportier entdeckt und fotografiert. Außerdem gibt es auf der bearbeiteten Weide zwei Bruten einer immer seltener werdenden Vogelart, dem Neuntöter.

 

Außerdem sammelten wir im Waldstück der Weidefläche Totholz ein, das aufeinander gestapelt wurde. So bildete sich wieder neue Fläche für Gras und das gestapelte Totholz wiederum bildet einen neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

 

Weißer Waldportier
Weißer Waldportier

Tag 2

Am zweiten Tag meines Praktikums wurden die letzten Arbeiten auf der Wiese vom Vortag gemacht. Dazu zählte erneutes Einsammeln von Totholz und das Fällen kleinerer junger Bäume im Waldteil der Weide, um erneut Fläche für Wiese zu schaffen.

 

Ein großes Problem in der Natur, das auch auf den Schafsweiden vorkommt, ist Müll. Vor mehreren Jahren wurde im Waldteil der Weidefläche illegal in einer kleinen Holzhütte gelebt. Als das Gebiet zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, ließ man die Hütte einfach zurück. Über die Jahre hatte sich viel Müll angesammelt, der achtlos in den Wald geworfen worden war. Außerdem lösen sich mit dem Verfall des Hauses auch viele umweltschädliche Baumaterialien wie Styropor oder Wellblech. Am zweiten Tag galt es, den zurückgelassenen Müll einzusammeln. Dazu gehörten neben den Baumaterialien auch Glasflaschen, Plastikfolien, Drähte und sogar ein Regenschirm. All diese Dinge stellen nicht nur eine Verschmutzung der Natur sondern auch eine Gefahr für die Schafe dar und müssen daher entsorgt werden. Insgesamt wurden knappe zwei große Müllsäcke gefüllt.

 

Tag 3

Wie bereits erwähnt, standen die Schafe schon ungefähr sechs Wochen auf derselben Weidefläche. Da der Großteil der Arbeit gemacht war und die Nahrung für die Schafe in Form von Pflanzen knapp wurde, wurden die Schafe am dritten Tag meines Praktikums auf eine andere Weide gebracht. Dazu wurden die Tiere mit Brot angelockt und eingefangen. Dann wurden ihnen Halsbänder umgelegt, sodass man sie zur anderen Wiese führen konnte. Bis alle Schafe eingefangen waren, wurden die bereits gefangenen Tiere an Bäumen festgebunden, wo manche von ihnen Ohrmarken bekamen. Die Schafe wurden nach und nach auf die andere Weide gebracht. Zwei besonders scheue Tiere ließen sich nicht so einfach wie die anderen einfangen. Dieses Problem konnte aber durch den stark ausgeprägten Herdentrieb der Schafe gelöst werden.

 

Als alle Schafe auf der neuen Weide waren, musste der Zaun kontrolliert werden, wobei manche stromableitenden Pfalzenteile abgerissen oder umgebogen werden mussten.

 

Ein Teil der Schafherde auf einer Weide bei Sankt Martin
Ein Teil der Schafherde auf einer Weide bei Sankt Martin

Tag 4

Heute ist der vierte Tag meines Praktikums, an dem ich in Landau bin um einen Praktikumsbericht zu schreiben, um auch den logistischen Teil des NABUs kennenzulernen.

 

 

Morgen, am letzten Tag des Betriebspraktikums werden wir voraussichtlich ein paar Schafe scheren, die noch nicht geschoren sind und auf einer Weide die täglichen, bereits erwähnten Arbeiten verrichten.