Noch immer unnötiges Vogelsterben an gefährlichen Strommasten

Vollzugsbehörden müssen die gesetzliche Entschärfungspflicht endlich durchsetzen

Der NABU, sein bayerischer Partner Landesbund für Vogelschutz (LBV) und die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) fordern die Umweltministerien der Bundesländer auf, gegenüber den Netzbetreibern durchzusetzen, eine ordnungsgemäße und flächendeckende Sicherung aller vogelgefährlichen Mittelspannungsmasten nach aktuellen Stand der Technik durchzuführen.

 

„Unnötigerweise sterben in Deutschland Störche, Eulen und Greifvögel an schlecht oder gar nicht gesicherten Mittelspannungsmasten, und das mehr als sechs Jahre nach Ablauf der gesetzlichen Frist zu ihrer Entschärfung Ende 2012. Die verbindlichen technischen Vorgaben dazu liegen seit sieben Jahren vor und werden von entscheidenden Stellen ignoriert“, sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

 

Eine Anwendungsregel des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik gibt seit 2011 für alle Netzbetreiber technische Standards zum Vogelschutz an Mittelspannungsmasten vor. Das Bundesnaturschutzgesetz fordert eine Umrüstung aller Masten schon seit 2002. Die Regeln werden aber nur von wenigen Netzbetreibern vollumfänglich umgesetzt oder gar von Naturschutzbehörden eingefordert.

 

„Vogelschutzeinrichtungen, die sich aufgrund weiterer Totfunde leider als untauglich herausgestellt haben, müssen auch nach dem aktuellen Stand der Technik nachgebessert werden“, sagt LBV- Storchenbeauftragte Oda Wieding. „Das große Engagement einzelner Netzbetreiber für die bereits durchgeführten Maßnahmen zum Vogelschutz muss natürlich anerkannt werden. Doch viele sichern lediglich den Unfallmast, obwohl weitere typgleiche Masten das gleiche Stromtod-Risiko für Vögel bedeuten.“

 

Der §41 des Bundesnaturschutzgesetzes soll ausdrücklich auch eine bundesweite Gleichbehandlung aller Netzbetreiber sicher stellen. Während in Bayern Vogelschutzmaßnahmen von Behörden durch Verfügung bereits angeordnet wurden, sehen Behörden in Nordrhein-Westfalen die Regelungen zum Vogelschutz noch als „nicht zwingende Verpflichtung“ an. Im Rheinland beobachtete die EGE mehrere hundert neu errichtete Masten mit besonders gefährlichen stehenden Isolatoren ohne den notwendigen Vogelschutz. „Auch in Baden-Württemberg sind neue Masten dieser Bauart gesichtet worden, auch hier blieben die Behörden ahnungs- und tatenlos. Kontraproduktiv sind oft Büschelabweiser auf dem Mast, durch die Großvögel vom Sitzplatz dort auf noch gefährlichere stromführende Bauteile verdrängt werden“, so NABU-Vogelschutzexperte Eric Neuling.

 

Ein im Auftrag der EGE erstelltes und im Dezember 2018 veröffentlichtes Rechtsgutachten sowie ein zweites des NABU Baden-Württemberg aus 2017 stützen die Forderung der Verbände, Ausnahmen bei der Nachrüstungspflicht zu beenden. „Die verantwortlichen Netzbetreiber haben ihre Versäumnisse bundesweit mit verschiedenen Begründungen zu rechtfertigen versucht. Die dazu vorgetragenen interessengeleiteten Rechtsauffassungen wurden von den Behörden zumeist bereitwillig akzeptiert. Die vorliegenden Rechtsgutachten belegen, was auch die Juristen in den Behörden längst hätten wissen können: Für diese alten Masten kann grundsätzlich kein Bestandsschutz eingeräumt werden“, sagt EGE-Vorsitzender Stefan Brücher.

 

„Die zuständigen Behörden müssen die sachgemäße Umrüstung gefährlicher Mittelspannungsmasten endlich kontrollieren und nicht einsichtige Unternehmen notfalls sanktionieren. Netzbetreiber, die erhebliche und unverhältnismäßige Belastungen nachweisen können, sollten eher über die Netzentgeltregulierung der Bundesnetzagentur Mehrkosten geltend machen können, statt abzuwarten, bis der nächste Vogel stirbt“, so Eric Neuling.

 

Für Rückfragen:

Eric Neuling, NABU-Vogelschutzexperte, Tel. 030-284984 1812, E-Mail: Eric.Neuling@NABU.de

Oda Wieding, LBV-Artenschutz- und Weißstorchexpertin,Tel. 09174- 4775 7432, E-Mail: oda.wieding@lbv.de

Stefan Brücher, Vorsitzender der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V., mobil 0160-4220 790, E-Mail: egeeulen@t-online.de, www.egeeulen.de

Jungstorch am Strommast, Foto: Uwe Seidel
Jungstorch am Strommast, Foto: Uwe Seidel

Große Studie bestätigt dramatisches Insektensterben

Jahrzehntelange Untersuchungen belegen massive Biomasseverluste in Schutzgebieten

Foto: Helge May
Foto: Helge May

Ein internationales Forscherteam aus den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland hat die dramatischen Befunde zum Insektenrückgang in Nordwestdeutschland in einer jetzt in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichten Studie bestätigt. Die Forscher stellten damit die Beobachtungen des Entomologischen Vereins Krefeld auf eine wissenschaftlich abgesicherte Basis. So ist mit den Biomasseverlusten bei Fluginsekten von 76 bis 81 Prozent seit den 1990er Jahren ein klarer Negativ-Trend erkennbar. Insgesamt wurden in einem Zeitraum von 27 Jahren 63 Standorte in Schutzgebieten unterschiedlichster Lebensräume des Offenlandes überwiegend in Nordwestdeutschland untersucht, wobei der Rückgang überwiegend im Flachland festgestellt wurde.

 

„Wir haben es mit einer höchst dramatischen und bedrohlichen Entwicklung zu tun. Allein die Tatsache, dass es sich bei allen Untersuchungsflächen um verinselte Standorte innerhalb von Schutzgebieten handelt, in deren Umfeld zu mehr als 90 Prozent konventionelle Agrarnutzung stattfindet, legt einen negativen Einfluss durch die Landwirtschaft nahe“, sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die neue Bundesregierung müsse sich umgehend auf EU-Ebene für einen Kurswechsel in der Agrarpolitik einsetzen sowie einen Schwerpunkt auf Erforschung und Schutz der biologischen Vielfalt legen. Der NABU fordert ein Deutsches Zentrum für Biodiversitäts-Monitoring in Trägerschaft von Wissenseinrichtungen sowie den zügigen Aufbau eines bundesweiten Insekten-Monitorings. Als Vorbild für ein bundesweites Insekten-Monitoring könnte NRW dienen, wo 2017 die Beprobung von 100 Standorten angelaufen ist.

 

Der Landesvorsitzende des NABU NRW, Josef Tumbrinck, begleitet die Arbeiten des Entomologischen Vereins Krefeld seit Jahren. Seiner Einschätzung nach finden in ganz Deutschland und wahrscheinlich auch in anderen europäischen Ländern ähnliche Entwicklungen statt: „Früher mussten wir Autoscheiben nach ein oder zwei Stunden Fahrt wieder von Insekten säubern und an Straßenlaternen flogen massenhaft Insekten. Heute ist das meist nicht der Fall. Diese Beobachtungen wurden mir vielfach aus allen Regionen des Landes mitgeteilt.“ Langzeit-Untersuchungen aus anderen Staaten liefern Hinweise darauf, dass es sich nicht nur um ein deutsches Phänomen handelt. Auch von der EU offiziell bestätigte Bestandsrückgänge von Vögeln, die auf Insekten als Nahrungsgrundlage angewiesen sind, dürften höchstwahrscheinlich zu einem wesentlichen Teil auf den Insektenschwund zurückzuführen sein.


Praktikum beim NABU Edenkoben/Maikammer

Betriebspraktikum vom 14. - 18. August 2017

Mein Name ist Paula Heeren, ich bin 16 Jahre alt und gehe in die elfte Klasse am Gymnasium in Maxdorf. In der ersten Schulwoche nach den Ferien macht man an unserer Schule in der elften Klasse ein fünftägiges Betriebspraktikum. Meine Wahl fiel dafür auf den NABU Edenkoben/Maikammer. Dort war ich in Sankt Martin bei Gundula Berner, die für die Landschaftspflege mehrerer Flächen zuständig ist. Hier möchte ich über mein Praktikum berichten:

Tag 1

Mein erster Tag begann mit einer allgemeinen Einführung in das Gebiet und die Arbeit beziehungsweise die Aufgaben des NABUs in der Landschaftspflege.

Das Ziel für das Gundula Berner arbeitet, ist das Gewinnen freier Grünflächen in Form von Wiesen. Dazu werden ungenutzte Flächen von der Gemeinde übernommen.  Auf so gewonnenen NABU-Flächen gilt es, Platz für naturnahe Wiesen zu schaffen. Dazu muss zu hohes Gras gekürzt, wuchernde Hecken wie Brombeeren zurückgeschnitten und der Wald zurückgedrängt werden.

Dabei hilft eine Herde Alpiner Bergschafe, die Gundula Berner aus Bayern in die Pfalz gebracht und dort mit den Tieren weitergezüchtet hat. Insgesamt besitzt sie ungefähr 100 Tiere, die in mehrere Herden aufgeteilt sind. Sie weiden auf den erwähnten Grünflächen und dienen dazu Gras und Hecken kurz zu halten.

Auf den entstehenden Wiesen herrscht eine hohe Artenvielfalt. Die Flächen bieten Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten.

Zur täglichen Arbeit zählen vor allem das Pflegen der Weide- und Grünflächen aber auch das Sorgen für die Schafe zum Beispiel in Form von einmal täglich Füttern.

Am ersten Tag bestand die Arbeit darin, eine Weide, auf der eine Schafherde von ungefähr 15 Tieren seit ungefähr sechs Wochen stand zu Ende zu bearbeiten, sodass die Tiere auf eine neue Weide kommen konnten. Dazu gehörte vor allem das Kürzen der dort wachsenden Brombeerhecken, von denen  nur so viel abgeschnitten wird, dass sie sich nicht weiter ausbreiten. Bei dieser Arbeit haben wir einen seltenen Schmetterling- den weißen Waldportier entdeckt und fotografiert. Außerdem gibt es auf der bearbeiteten Weide zwei Bruten einer immer seltener werdenden Vogelart, den Neuntöter.

Im Waldstück der Weidefläche sammelten wir Totholz ein, das aufeinander gestapelt wurde. So bildete sich wieder neue Fläche für Gras und das gestapelte Totholz wiederum bildet einen neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Weißer Waldportier
Weißer Waldportier

Tag 2

Am zweiten Tag meines Praktikums wurden die letzten Arbeiten auf der Wiese vom Vortag gemacht. Dazu zählte erneutes Einsammeln von Totholz und das Fällen kleinerer junger Bäume im Waldteil der Weide, um Fläche für Wiese zu schaffen.

Ein großes Problem in der Natur, das auch auf den Schafsweiden vorkommt, ist Müll. Vor mehreren Jahren wurde im Waldteil der Weidefläche illegal in einer kleinen Holzhütte gelebt. Als das Gebiet zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, ließ man die Hütte einfach zurück. Über die Jahre hatte sich viel Müll angesammelt, der achtlos in den Wald geworfen worden war. Außerdem lösen sich mit dem Verfall des Hauses auch viele umweltschädliche Baumaterialien wie Styropor oder Wellblech. Am zweiten Tag galt es, den zurückgelassenen Müll einzusammeln. Dazu gehörten neben den Baumaterialien auch Glasflaschen, Plastikfolien, Drähte und sogar ein Regenschirm. All diese Dinge stellen nicht nur eine Verschmutzung der Natur sondern auch eine Gefahr für die Schafe dar und müssen daher entsorgt werden. Insgesamt wurden knappe zwei große Müllsäcke gefüllt.

Tag 3

Wie bereits erwähnt, standen die Schafe schon ungefähr sechs Wochen auf derselben Weidefläche. Da der Großteil der Arbeit gemacht war und die Nahrung für die Schafe in Form von Pflanzen knapp wurde, wurden die Schafe am dritten Tag meines Praktikums auf eine andere Weide gebracht. Dazu wurden die Tiere mit Brot angelockt und eingefangen. Dann wurden ihnen Halsbänder umgelegt, sodass man sie zur anderen Wiese führen konnte. Bis alle Schafe eingefangen waren, wurden die bereits gefangenen Tiere an Bäumen festgebunden, wo manche von ihnen Ohrmarken bekamen. Die Schafe wurden nach und nach auf die andere Weide gebracht. Zwei besonders scheue Tiere ließen sich nicht so einfach wie die anderen einfangen. Dieses Problem konnte aber durch den stark ausgeprägten Herdentrieb der Schafe gelöst werden.

Als alle Schafe auf der neuen Weide waren, musste der Zaun kontrolliert werden, wobei manche stromableitenden Pfalzenteile abgerissen oder umgebogen werden mussten.

Ein Teil der Schafherde auf einer Weide bei Sankt Martin
Ein Teil der Schafherde auf einer Weide bei Sankt Martin

Tag 4

Heute ist der vierte Tag meines Praktikums, an dem ich in Landau bin um einen Praktikumsbericht zu schreiben, um auch den logistischen Teil des NABUs kennenzulernen.

 Morgen, am letzten Tag des Betriebspraktikums werden wir voraussichtlich ein paar Schafe scheren, die noch nicht geschoren sind und auf einer Weide die täglichen, bereits erwähnten Arbeiten verrichten.